1. Ausgangsproblem: Entscheiden unter komplexen Rahmenbedingungen
Unternehmen sind komplexe, adaptive Systeme. Wechselwirkungen, Rückkopplungen und Zeitverzögerungen sprengen lineare Ursache-Wirkungs-Modelle.
Kleine Eingriffe können unverhältnismäßig große Folgen auslösen, während scheinbar logische Maßnahmen andere Bereiche destabilisieren.
In dieser vernetzten Dynamik versagen einfache Best-Practice-Rezepte ebenso wie rein probabilistische Kalküle.
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2. Didaktischer Anspruch
HAPTUS zielt darauf, Entscheidungsfähigkeit unter komplexen und ungewissen Rahmenbedingungen zu stärken.
Teilnehmende sollen Zusammenhänge systemisch durchdringen, Wirkungsfolgen antizipieren und Handlungsoptionen reflektiert abwägen.
Im Mittelpunkt steht nicht das Finden „richtiger“ Lösungen, sondern die Entwicklung pragmatischer Urteilskraft.
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3. Wissenschaftliche Fundierung
- Erfahrungslernen – vom Handeln-Reflexion-Transfer-Zyklus nach David A. Kolb bis zu den Vorarbeiten von John Dewey.
- Komplexitätsforschung – Dynamik, Rückkopplungen und Zeitverzüge nach Dietrich Dörner.
- Verhaltensökonomie – Forschung zu systematischen Entscheidungsverzerrungen und zur Prospect Theory (Daniel Kahneman & Amos Tversky), bounded rationality (Herbert A. Simon) sowie heuristische Entscheidungsstrategien unter radikaler Ungewissheit (Gerd Gigerenzer).
Ergänzend wirken die Selbstbestimmungstheorie (Edward L. Deci & Richard M. Ryan) und das Konzept der Selbstwirksamkeit (Albert Bandura).
So entsteht eine strukturierte Lernarchitektur, die komplexe Entscheidungen unter Ungewissheit erfahrbar macht und nachhaltige Motivation sichert – ohne vorgegebene „richtige“ Lösungen, aber mit klarer didaktischer Rahmung.
Diese theoretischen Grundlagen bleiben bei HAPTUS nicht abstrakt, sondern werden in einem spezifischen Lern- und Interaktionsformat konkret erfahrbar.
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4. Aufbau des haptischen Unternehmensplanspiels
Das Lernsystem basiert auf einem haptischen Planspiel-Board, das Wertschöpfung, Funktionsbereiche und Finanzlogik sichtbar macht.
Mehrere Spielperioden bilden aufeinanderfolgende Geschäftsjahre ab. Externe Ereignisse, Zielkonflikte und Verhandlungen erzeugen Dynamik.
Jede Phase endet mit strukturierten Reflexionsschleifen, in denen Erfahrungen systematisch ausgewertet werden.
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5. Eigenständiger Lern- und Erfahrungsraum
Während klassische Trainings mit Lösungsrezepten arbeiten und digitale Simulationen Entscheidungsfolgen primär algorithmisch berechnen, entsteht bei HAPTUS ein physisch erfahrbarer Lern- und Entscheidungsraum.
Über mehrere aufeinanderfolgende Geschäftsjahre hinweg erleben Teilnehmende die Konsequenzen ihres Handelns unmittelbar – sichtbar, greifbar und sozial eingebettet.
Wenn Forderungen als Wertchips auf „Bank“ verschoben werden oder Verhandlungen zwischen Teams im Raum Spannung erzeugen, entsteht eine Dynamik, die über rein digitale Abbildung hinausgeht.
Unternehmerische Verantwortung wird nicht nur analysiert, sondern emotional und körperlich erlebt. Die gleichzeitige Präsenz aller Beteiligten schafft eine Entscheidungsatmosphäre, in der strategische Weichenstellungen, Ressourcenknappheit und Zielkonflikte nicht theoretisch diskutiert, sondern unmittelbar erfahrbar werden.
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